Dörfligeschichten der letzten 100 Jahren

 

1998 konnte Schalkhausen sein 100 jähriges Bestehen feiern.

Für diesen Anlass wurde damals ein Buch veröffentlicht, mit der Entwicklungen und Ereignisse den letzten Jahren.

Für die Entwicklung und Ausführung des Buches hatten sich folgende Personen beteiligt.

Idee:                                   Hollenstein Paul

Gestaltung und Satz:       Schnelli-Hollenstein Marianne

Fotolithos und Druck:    Schneider, Scherrer AG, 9602 Bazenheid

Buchbinden:                     Brülisauer Buchbinderei AG, 9200 Gossau

Auflage:                            500 Exemplare

Erscheinungsdatum:      August 1998

Bild Frontseite:                Schalkhausen aus Nordosten

 

 

 


Zum Geleit

Die nachstehende Schrift will Ihnen einiges über unser Dörfli Schalkhausen und seine Bewohner erzählen. Sie entstand durch das Zusammentragen von Protokollauszügen. Daten aus der Geschichte der Gemeinde, aus Erinnerungen und mündlicher Überlieferungen. Erwarten Sie also nicht ein geschichtlich lückenloses Werk.

Der Verfasser, Paul Hollenstein (*1924), erzählt hier aus der Sicht eines Alteingesessenen eine bewegte Geschichte, berichtet von Sorgen und Nöten; aber auch Freuden und Erfolgen ist die Rede.

Anlasse zur Schaffung dieser Festschrift gab das 100-Jahr-Jübiläum der Wasserversorgungs-Genossenschaft, die am 2. Dezember 1992 an das Wasserwerk Iddaburg abgetreten hat, vertritt unsere Genossenschaft auch Zukunft die allgemeinen Interessen unseres Dörfchens und bleibt weiterhin Ansprechpartner für die Politische Gemeinde.

Beim Lesen über die Vergangenheit unserer Dorfgemeinschaft werden Sie Verschiedenes vernehmen, das Ihnen bisher unbekannt war, und Vergessenes wird wieder ins Bewusstsein gerufen.

Unsere Bewohner schätzen heute die ruhige, verkehrsarme Wohnlage, eingebettet in eine idyllische Landschaft. Ein Dank gebührt der Politische Gemeinde Kirchberg und der Meliorationsgenossenschaft. Sie haben in der letzten Jahren viel beigetragen zur Verbesserung und Verschönerung unseres Dörfchens und dessen Umgebung. Wir denken da an die Brunnen, die Strassen, die Dorfbeleuchtung und nicht zuletzt an die schönen Spazierwege.

Herzlichen Dank auch an alle, die privat etwas zur Verschönerung unseres Dörfchens und zum Wohle der Einwohner beigetragen haben.

Wir hoffen, die Zukunft möge sich weiterhin in einer Weise entwickeln, dass sich auch unsere Nachkommen auf diesem Flecken Erde wohlfühlen werden.

Schalkhausen, im Juni 1998

Andreas Herger


 Jubiläum als Aufbruch in eine gute Zukunft

Mit Begeisterung werde ich dabei sein, wenn Schalkhausen am 22. / 23. August 1998 sein Jubiläum 100 Jahre Wasserversorgungs-Genossenschaft feiert. Mit diesem Dorf bin ich in vielfältiger Weise verbunden, haben sich doch meine Wurzeln sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits hier entwickelt. Mein Grossvater, Johann Keller-Boumberger, bewohnte das heutige Haus Martig, und meine Mutter wurde in diesem Haus bei der Brandkatastrophe im Jahre 1925 in letzter Minute und unter lebensbedrohendem Einsatz ihres Vaters aus den Flammen gerettet. Meine Gote war Agnes Ammann-Keller, und viele Stunden habe ich damals im Stumpenlokal meines Onkels verbracht. Mein Urgrossvater väterlicherseits war Leutnant Häne, ein Nachfahre einer ganzen Reihe von Häne-Generationen, welche bereits anfangs des 15. Jahrhunderts in Oetwil urkundlich erwähnt sind. Viele Wochen meines Lebens habe ich im Hause und auf den Wiesen und Weiden der Geschwister Häne (Onkel Adolf, Tante Marie, Onkel Karl) verbracht. An einer Vielzahl von Sonntagen durfte ich in der Häne-Stube am Tischgespräch über Gott und die Welt teilhaben, und niemals musste ich danach hungrig oder durstig den Heimweg nach Kirchberg antreten.

Kein Wunder, dass ich das vorliegende Werk über die Wasserversorgungs-Genossenschaft Schalkhausen und darüber hinaus viel Wissenswertes aus dem Dorf Schalkhausen und Umgebung mit ganz besonderem Interesse gelesen habe. Es ist mir dabei ein grosses Anliegen, Paul Hollenstein für dieses gelungene Werk herzlich zu danken. Es ist ihm mit Unterstützung seiner Tochter Marianne Schnelli-Hollenstein hervorragend gelungen, ein Stück Dorfgeschichte dank beigezogener Quellen und aus den Augen eines in Schalkhausen Verwurzelten möglichst authentisch darzustellen. Die vorliegende Schrift ist eine willkommene Ergänzung zur Geschichtsschreibung unserer Gemeinde, und sie trägt darüber hinaus zur Identitätsfindung des Dorfes Schalkhausen in einer Zeit bei, die grossen Veränderungen unterworfen ist.

Wozu ist das 100-Hahre-Jubiläum überhaupt gut? Eigentlich ist es weniger eine Feie, und schon gar nicht die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte stellvertretend für viele Dörfer unserer Gemeinde bewusst, dass sich viele dörfliche Probleme nur gemeinsam lösen lassen. Anfänglich waren es existenzielle Probleme wie die Wasserversorgung, welche nach gemeinschaftlichen Problemlösungen riefen. Im Zuge der Zeit gesellten sich weitere Problembereiche hinzu (Psp. Beleuchtung, Strssen), welche entwicklungsbedingt zu bewältigen waren und für welche sich damals keine andere Instanz als das Dorf selbst anbot. Das Dorf stellte in vielen Fällen eine Schicksalsgemeinschaft dar; trotz oft unterschiedlicher Meinungen war man sich letztlich immer wieder bewusst, dass nur ein gemeinschaftliches Zusammenstehen der richtige Weg zur Lösung eines Problems, das viele betraf und bedrückte, sein konnte.

Die Jahre 1973 und 1992 waren in der Geschichte der Wasserversorgungs-Genossenschaft Schlkhausen wichtige Meilensteine. Auf die Abtretung der öffentliche Beleuchtung an der Elektrizitätsversorgung Kirchberg folgte die Abtretung aller Rechte und Pflichten in Bezug auf die Wasserversorgung und den Feuerschutz an die Wasserversorgung der Politischen Gemeinde Kirchberg. Im Zuge der technischen Entwicklung, der damit verbundenen Professionalisierung und Kostenintensität wurden damals viele Aufgaben von den Dörfern auf die Gemeinde übertragen. Ich meine, dass dieser Weg in Bezug auf die erwähnten Aufgabenbereiche richtig war.

Ist damit aber auch die Wasserversorgungs-Genossenschaft, oder vielleicht besser ausgedrückt, die gemeinschaftliche Aufgabenerfüllung im Dorf Schalkhausen, überflüssig geworden? Ich meine klar nein! Und dieser Ansicht scheint auch die Wasserversorgungs-Genossenschaft zu sein, den 1994 – und dies hat mich mit grosser Freude erfüllt – hat sie selbst beschlossen, die Genossenschaft weiterzuführen und die Statuten den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Aber welches sind denn die Gegebenheiten der Zukunft? Der Erhalt der Brunnen ist ein wichtiges, sinnvolles und vor allem auch symbolhaftes Ziel. Brunnen sind nicht nur ästhetische Elemente im Bild eines Dorfes. Sie waren vor allem auch soziales Zentrum der Vergangenheit – aber wieso sollen sie den diese Funktion nicht auch in der Gegenwart und Zukunft übernehmen? Dorfbrunnen tragen mit dieser sozialen Komponenten letztlich die Symbolik der Gemeinschaft in sich. Und was anderes sollen den die Dörfer wie Schalkhausen sein als eine Gemeinschaft?

Im Zeitalter der Individualität laufen wir Gefahr, den Bezug zur Gemeinschaft zu verlieren. Im Zeitalter der Globalisierung laufen wir Gefahr, den Bezug zu unseren Wurzeln zu verlieren. Im Zeitalter der Intoleranz laufen wir Gefahr, den Gemeinschaftssinn aus den Augen zu verlieren. Deshalb – und davon bin ich überzeugt – ist die Geschichte der Wasserversorgungs-Genossenschaft Schalkhausen nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart und Moderne. Es bleibt der Genossenschaft für heute und für die Zukunft ein weites Feld zu backen. Die Dorfbrunnen als soziales Zentrum von früher können durchaus auch als Symbol der Gemeinschaftspflege für die Zukunft gelten. Für diese Gemeinschaftspflege die richtig Form zu finden, ist vornehme Aufgabe von Vorstand und Genossenschaftsversammlung.

In diesem Sinn ist die Daseinsberechtigung der Wasserversorgungs-Genossenschaft Schalkhausen überhaupt nicht in Frage zu stellen, sondern ein Muss für die Zukunft. Wenn das 100-Jahr-Jubiläum auch zu dazu führt, sich darauf zu besinnen, was ein Dorf überhaupt ausmacht, dann hat sich der Anlass mehr als nur gelohnt. Und Begriffe wie Eigenverantwortung, Subsidiarität, Ehrenamtlichkeit, Kulturpflege, Geselligkeit, Zusammenhalt sind nicht mehr nur moderne Worthülsen, sondern Wirklichkeit geworden. Und vielleicht wird Ihnen, liebe Leserin, liebe Leser, jetzt auch klar, warum das Leitbild der Politische Gemeinde Kirchberg den Dörfern auch für die Zukunft eine grosse Bedeutung beimisst.

Kirchberg, im Juni 1998
Christoph Häne, Gemeindammann

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