Männerchor Frohsinn Schalkhausen

Erster Anlauf Eine lückenlose Aufzeichnung über die Geschichte des Männerchors Frohsinn Schalkhausen existiert anscheinend nicht. Überliefert – und 50 Jahre später dann doch noch schriftlich festgehalten – sind aber einige Daten aus den Anfängen des Vereins. Als im Jahre 1947 in Schalkhausen ein Sängertreffen mit sechs Chören stattfand, schilderte der damalige Präsident, Josef Häne, in seiner Begrüssungsansprache die ersten Jahrzehnte seines Vereins. Er stellte fest, das obwohl keine schriftlichen Angaben ausfindig gemacht werden konnten, dennoch Beweise über die Gründung und die Vereinstätigkeit vorhanden seien. Es waren an dem genannten Treffen nämlich noch vier Veteranen aus der Frühzeit des Chores, sozusagen als Kronzeugen, anwesend; Wilhelm Hollenstein, Johann Hollenstein, Albert Häne und Jacob Huber. So konnte der Restredner berichten, dass die Gründung des Männerchors im Jahre 1878 erfolgt sei. Als Initiator könne ohne Zweifel der verstorbene Reallehrer Mayer in Dussnang genannt werden, der sich die Mühe nicht nehmen liess, jeden Sonntagnachmittag hierher heimzukommen, um mit seinen Gereuen (Gesangs-) Probe zu halten. Als erster Präsident amtete Kantonsrat Johann Baptist Holenstein (später in Abtwil). Im weiteren war zu vernehmen, dass der Männerchor Schalkhausen an verschiedenen Sängertreffen teilgenommen hatte; so 1882 in Kirchberg, 1886 in Bazenheid, 1903 feierte er sein 25 – jähriges Bestehen, und 1904 finden wir ihn am Sängertreffen in Bütschwil. In den Jahren bis gegen 1910 wurden wohl der Gesang fleissig gepflegt, aber es tauchten dann Schwierigkeiten verschiedener Art auf (u.a. Wegzug des rührigen Präsidenten), und zur Zeit des Ersten Weltkrieges musste die Vereinstätigkeit eingestellt werden. Dies bedeutete den Stillstand für viele Jahre.

Soviel aus den Überlieferungen der Ehemaligen. Im Restaurant Frohsinn befindet sich heute noch eine Foto aus dem Jahre 1901, auf der die Portraits der 26 Mitglieder des damaligen Männerchors Frohsinn zu sehen sind. Da werden G. Meyer als Ehrenpräsident, J. B. Holenstein als Präsident und A. Schildknecht als Dirigent vorgestellt.

Anderthalb Jahrzehnte dauerte der Dornröschenschlaf des Vereins; dann aber wurde er zu neuem Leben erweckt. Nach vorausgegangener intensiver Mitgliederwerbung formierte sich am 21. Mai 1929 der Männerchor Frohsinn neu. Als treibende Kraft erwies sich der Musikliebhaber Johann Huber. Er wurde denn auch als Dirigent gewählt, während das Präsidium von Josef Häne übernommen wurde. Unter J. Hubers Leitung erreichte der Chor in den folgenden Jahren einen beachtlichen Stand in Bezug auf die Mitgliederzahl wie auch auf die Qualität der Darbietungen. Bereits 1933 nahm er als Gastchor am 9. Alltoggenburger Sängertreffen in Mosnang teil, und sein Vortrag wurde als "angenehm ausgeglichen" taxiert. Zwei Jahre später war er, wiederum als Gastchor, in Unterrindal am 10. Alttoggenburger Sängertag dabei. An der Delegiertenversammlung vom 15. November 1936 in Mühlrüti wurde er als 15. Sektion in die Sängervereinigung Alttoggenburg und Umgebung aufgenommen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geriet die Vereinstätigkeit in ein Tief, und, anfangs noch reduziert weitergeführt, musste sie 1941 ganz eingestellt werden. Der Verein zählte damals nur noch 13 Mitglieder.

Nach fast fünf Jahren Stillstand nahm aber der Vorstand die Aktivierung des Chors energisch an die Hand. An der Hauptversammlung von 21. Februar 1946 konnten 14 neue Mitglieder aufgenommen werden. So trafen sich die Sängerkameraden von Schalkhausen, Hof, Setzi, Talbach, Albikon, Gais, Sackgrütli, Otwil und Dietschwil jede Woche zur Probe, und schon am 14. Juli beteiligte sich der Chor mit 24 Mann am Sängertag in Kirchberg.

Sängertreffen mit Dorfbeflaggung

Ein besonderes Ereignis bedeuteten die Organisation und Durchführung des Sängertreffens vom 27. Juli 1947 in Schalkhausen. Obwohl dies ein Novum für den Verein wie auch für das Dörfchen war, hatten die Organisatoren alles Nötige für den reibungslosen Ablauf des Festes gut vorbereitet. (Es war wohl das erste Mail, dass Schalkhausen beflaggt war!) Präsident Häne konnte als Gäste die Chöre aus Bazenheid, Dietschwil, Kirchberg, Müselbach, Unterrindal und Will begrüssen. Verbandspräsident Thomas Allenspach rief in seiner Ansprache zur Förderung des Gesanges und zur Pflege der Kameradschaft auf, und der Präsident der Konkordia Will sprach in schwungvoller Rede vom Heimatdörfchen seines Vaters und Grossvaters, die in Schalkhausen aufgewachsen seien. Über die Liedervorträge waren die Festbesucher voll des Lobes, und in den Zeitungsberichten wurden Sänger und Veranstalter gleichermassen beglückwünscht. Alles in allem war dieses Sängertreffen ein eindrucksvolles Fest.

(Dass in diesem Zusammenhang eine Zeitung Schalkhausen als Dorf mit 190 Einwohner beschrieb, war wohl des Guten zuviel!)

Mit viel Elan pflegte der Männerchor weiterhin den Gesang und trat an verschiedenen Sängertagen und –in treffen auf; so 1948 Bazenheid, 1949 in Dietschwil und 1950 in Unterrindal.

Aber bald nach dem letztgenannten Fest traf den Verein ein harter Verlust. Am 2. September 1950 starb Dirigent Huber, und drei Tage später begleiteten ihn die Sängerkameraden zu seiner letzten Ruhestätte, wo sie mit einem Grabgesang von ihm Abschied nahmen. An dieser Stelle soll dankbar vermerkt sein, wie Johann Huber durch Selbststudium sich auf dem Gebiete das Gesanges ständig weiterbildete und sein Können an die Sänger vermittelte. Unter seiner Stabführung während 22 Jahren hatte der kleine Chor enorme Fortschritte gemacht und im Verband einen beachtlichen Platz eingenommen.

Der Nachfolger fand sich in den eigenen Reihen, indem sich Ferdi Strässle bereit erklärte, die Leitung des Chores zu übernehmen. Er betreute sein Amt bis 1957. Ab 1958 wirkte Hans Huber, Sohn des früheren Dirigenten Johann Huber, als Chorleiter und führte seinen Gesangsverein erfolgreich fast so lange wie ehemals sein Vater.

Am Sonntag 2. Juli 1972, leistete sich der Verein ein grosses Fest. Anlass dazu war die Einweihungder neuen Vereinsfahne. Schon am Vorabend fand sich eine grosse Zahl von Sympathisanten im Festzeit zu einem fröhlichen Treffen ein. Recht feierlich gestaltete sich das eigentliche Fest vom Sonntagnachmittag.

Nachdem sich die Chöre der Sängervereinigung und die Gastvereine eingefunden hatten, wurde der Anlass mit dem Festzug durchs Dorf, von der Blechharmonie Kirchberg angeführt, eröffnet. Nach dem gehaltvollen Lied (Hoch über den Wolken), dargeboten vom Männerchor Schalkhausen unter der Leitung von Hans Huber, begrüsste der Präsident Georg Loser die Gäste.

Anschliessend erfreuten die Verbandsvereine die Festwirtschaft mit Ihren durchwegs anspruchsvollen Liedervorträgen.

Die Präsentation des neuen Banners, vollzogen von den beiden Fahnenpaten Martina Strässle-Schönenberger und Ruedi Strässle-Keller – beide in Schalkhausen aufgewachsen – gestaltete sich sehr eindrucksvoll. Als Patenverein assistierte der Männerchor Dietschwil, dessen Präsident Jakob Grob die Glückwünsche seines Vereins entbot. Auch Verbandspräsident Rudolf Hofer aus Wil gratulierte dem Verein und ermunterte die ganze Festgemeinde, den Gesang weiterhin zu pflegen. Mit den Liedern des Gesamtchores schloss der offizielle Teil, aber der abendlich-nächtliche Ausklang dieses schönen Festes dauerte noch recht lange.

Neue Fahne - und das Ende

Den Höhenflug des Chores folgten ein paar Jahre später wegen Demission von Präsident und Dirigent ein ziemliches Tief, sodass 1976 das Vereinsleben für zwei Jahre eingestellt werden musste. 1979 konnte dann Fridolin Vollmeier aus Arnegg, allerdings nur für zwei Jahre, als Dirigent verpflichtet werden, und aus dem den Reihen der Sänger übernahm Alex Brühwiler das Amt des Präsident. Nach Vollmeiers Übertritt ins Pensionsalter konnte Hans Huber wieder als Chorleiter gewonnen werden, und er hatte dieses Amt bis 1984 inne.

Bedauerlicherweise sah sich der Chor – wie viele von andere Vereine auch – je länger, je mehr mit dem Problem des Mitgliederschwundes konfrontierte. Als dann die Situation den kritischen Punkt erreicht hatte, entschieden sich die Sänger Ende 1984, den Vereinsbetrieb bis auf weiteres einzustellen. Leider blieb es bis heute so.

Fazit

In den Jahren zwischen 1929 und 1984 hat der Männerchor bei 25 Sängerfesten oder –treffen mitgewirkt. Dazu ist zu erwähnen, dass die Mannen in der autofreien Vorkriegszeit die Festorte in den näheren Umgebung per Fussmarsch besuchten. Und man sagt, dass sie auf dem Heimweg mehr als einmal bei angeriebenen Häuser Halt machen mussten! Überhaupt war der Vereinsbetrieb lange Zeit erstaunlich lebhaft, indem Mitglieder aus der ganzen Umgebung beim Chorgesang mitmachten.

An Aktivitäten sind notiert: Geburtstags-, Hochzeits- und Muttertagsständchen, Grabgesänge, Darbietungen an Tagungen, Festnachtsunterhaltungen, Begrüssung eines Amerika-Schalkhausers, Familienpicknick, Besuche bei auswärtigen Ehemaligen und bei fröhlichen Treffen in den umliegenden Weilern.

Auf besondere Art kann die Geselligkeit bei den jeweiligen Sängerreisen, an denen auch Nichtmitglieder teilnahmen, zum Zuge. Als Ziele dieser Ausflüge sind in den Büchern des Vereins aufgezeichnet:

1939 Pfäfers

1950 Trübsee-Jochpass

1953 Chur-Oberalp-Andermatt-Schwyz

1957 Furka-Grimsel-Susten

1965 Bodensee-Schaffhausen-Kloten

1971 Seebodenalp

1973 Andermatt-Furka-Lötschberg

1976 Füssen

1979 Twann-Saignelègier

1981 Klewenalp-Luzern

1983 Kleines Walsertal-Bregenzerwald

Personelles

Präsidenten (seit 1929)

1929 - 1947 Häne Josef

1948 - 1955 Hollenstein Karl

1956 - 1961 Huser Karl

1962 - 1968 Weber Niklaus

1969 - 1976 Loser Georg

1978 - 1984 Brühwiler Alex

Dirigenten (seit 1929)

1929 - 1950 Huber Johann

1951 - 1957 Strässli Ferdinand

1958 - 1975 Huber Hans

1980 - 1981 Vollmeier Fridolin

1982 - 1984 Huber Hans

Beim Betrachten von Werdegang und Stilllegung des Männerchors kann man schon etwas in Sinnieren geraten. Die vorgängig beschriebenen Organisationen (Wasserversorgung, Lehmgrube, Käsereigesellschaft) waren alle aus einem notwendigen Nützlichkeitsdenken ins Leben gerufen worden. Der Männerchor aber verdankte sein Entstehen einer ausschliesslich idealistischen Denkweise, die in einem so kleinen Dörfchen wie dem unsrigen umso beachtenswerter erscheint. Und gerade darum ist das Verschwunden dieses Stückes Dorfkultur zu bedauern. Doch wollen wir nicht ins Pessimismus verfallen, denn, wer weiss, vielleicht sagen unsere Dorfbewohner eines Tages in Abwandlung des Dichterwortes:

Und neues Leben blüht aus dem Vergangnen.

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